Lidl ist billig! – und nicht zu billigen!
Schongau jubelt (zumindest in der hiesigen Lokalpresse) – hat es doch in zentraler Lage ein super-neues Discount–Einkaufs–Zentrum vom unaufhörlich wachsenden Branchenriesen Lidl erhalten. Alle SchongauerInnen sind nun an der Billig–Einkaufs–Front gefordert: Lidl ist ja ach so billig!
Und das im wahrsten Sinne des Wortes: billig sind Lidls Methoden, ihre ArbeiterInnen auszubeuten, billig ist Lidls Art und Weise, die Umwelt weltweit zu beschädigen und billig ist vor allem Lidls Preispolitik, die mitverantwortlich dafür sorgt, dass Menschen rund um den Erdball am Rande des Existenzminimums dahinvegetieren müssen.
Lidl = Discounter
Discountläden sind all die schönen, neuen und sterilen Einkaufsläden, die sich durch ein eng begrenztes Warensortiment, fehlenden Service und vor allem niedrige Preise auszeichnen.
Alle Discounter erreichen ihre Niedrigstpreise durch minimalste Löhne und eine riesige Einkaufsmacht, die die Einkaufspreise massiv drücken kann.
Lidl = Preisdumping
Der aggressive Preiskampf, mit dem gerade Lidl seine nationale und internationale Expansion vorantreibt, gefährdet nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen in mittelständischen Handelsunternehmen, sondern zwingt auch Lebensmittelproduzenten zu möglichst billiger Massenproduktion. Auf Ecuadors Bananenplantagen kommt der Preisdruck der Discounter ebenso an wie auf den Bauernhöfen in Norddeutschland, die ihre Milch teilweise unter dem Erzeugerpreis abgeben müssen.
Im vergangenen Jahr haben Hunderte von Milchbauern und -bäuerinnen aus großen und kleinen Betrieben gegen die Aufkaufpolitik der Discounter protestiert. Mit ihren Protesten – unter anderem wurde Milch vor einigen Filialen ausgeschüttet – konnten die Bauern die Discounter teilweise zum Einlenken zwingen.
Die Einkaufsmacht der Discounter ist mittlerweile so groß, dass sie – und da wieder vorneweg Lidl – den Preisdruck permanent verstärken können, indem sie laufend die Produzenten gegeneinander ausspielen – die Zeche zahlt der Kleinbauer oder Plantagenarbeiter, der seine Kinder nicht mehr ernähren kann. Die Discounter heizen damit eine Armutsspirale an, in der die Arbeitsbedingungen und die Kaufkraft weltweit immer weiter sinken.
Von der neuen Bundesregierung fordert daher die Dienstleistungsgewerkschaft VerDi und Attac als Bewegung für eine gerechte Globalisierung eine konsequente Politik gegen Preisdumping. Während der aktuelle Vorschlag in die richtige Richtung geht (Verbot von Dumping-Preisen, also Verkauf unter den Herstellungskosten), steht die deutsche Außenhandelspolitik eher für das Gegenteil. Das zeigt sich besonders bei den Verhandlungen über das Welthandels-Dienstleistungsabkommen GATS, wo die Europäische Gemeinschaft – ohne jeden Widerspruch aus Berlin – von immer mehr Entwicklungsländern fordert, ihre Märkte für die großen Discount-Ketten zu öffnen.
Lidl = Lohn- und Sozialdumping
Wie im „Schwarzbuch Lidl“ veröffentlicht, beutet Lidl seine VerkäuferInnen durch niedrigste Löhne, unbezahlte Mehrarbeit und zermürbende Arbeitsbedingungen aus. Wer protestiert, fliegt.
Es gibt 2600 Lidl-Filialen in Deutschland, und nur in acht davon gibt es einen Betriebsrat. Erst kürzlich gab es in einer Münchener Filiale einen Fall, bei dem einer Mitarbeiterin, die versucht hatte, einen Betriebsrat aufzubauen, unter einem Vorwand gekündigt wurde.
Lidl = Umweltdumping
Lidl ist nicht nur billig auf Kosten der Menschen, die die Waren produzieren, transportieren und in den Filialen verkaufen. Lidl verhindert auch Umweltschutz. Durch den Preisdruck erzwingt Lidl rücksichtslose Massenproduktion und weite Transportwege. Die riesigen Pflanzfabriken laugen die Felder aus. Durch den massiven und unkontrollierten Dünger- und Pestizideinsatz werden die Böden vergiftet. Lidls Billigwahn geht auf Kosten unserer Natur und der Zukunft unserer Kinder.
LiDL IST nicht zu BILLIGen!
Es geht nicht darum, die Menschen zu verurteilen, die billig einkaufen müssen. Vielmehr müssen wir unsere Konsumentenmacht nutzen. Der Trend, den Lidl vorantreibt, geht zu Lasten der Menschen, die heute schon wenig Geld haben. Die Discounter setzen auf hohe Umsätze mit extrem wenig Personal. Nach Zahlen der Gewerkschaft ver.di verschwinden für einen – besonders schlecht bezahlten – Arbeitsplatz bei Lidl drei im übrigen Einzelhandel, der vom Discounter verdrängt wird. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden.
Reinhard Böttger